Holsten-Areal

Die Hallen des ehemaligen Brauereigeländes werden abgerissen. Spekulationsgeschäfte haben Auswirkungen auf die geplante Wohnbebauung.

1. Überdenkt Bedarfe 

Mit dem geplanten Umbau des industriell genutzten Areals in ein Wohngebiet soll auf die Wohnungsknappheit in Hamburg reagiert werden. Die denkmalgeschützten Eisenbetonbauten sollen als Quartierzentrum erhalten bleiben. 

2. Hinterfragt Abriss kritisch

Es muss die Frage gestellt werden, inwiefern der Abbruch der nicht-denkmalgeschützten Gebäude kritisch hinterfragt und die Umnutzung dieser Gebäude tatsächlich in Betracht gezogen wurde. 

9. Übernehmt soziale Verantwortung

Durch die Spekulationsgeschäfte und dem damit verbunden Anstieg der Bodenpreise ist die Umsetzung eines sozialverträglichen und bezahlbaren Wohngebiets gefährdet.

 

10. Plant integral  

Für die Entwicklung eines lebendigen Quartiers bedarf es einer partizipativen Einbindung alter und neuer Bewohner*innen, indem sich aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt werden darf.

Aktuelles

Geführter Soundwalk rund um das Holsten-Areal

Erkunde die brachliegende Baustelle des Holsten-Areals zum Thema Wiedersprüche. Der Soundwalk nimmt uns mit in die Gedankenwelt einer jungen Hamburgerin, die ihre Eindrücke der Gegenwart und ihre Erinnerungen der Vergangenheit zu diesem Ort im inneren Dialog zum Ausdruck bringt. 

Wir alle leben mit unseren Wiedersprüchen, die an Orten, wie dem Holsten-Areal mit all seinen Kontroversen, besonders zum Vorschein kommen. 

Wir laden euch ein mit uns diese zu erleben und festzuhalten. 

Geführter Soundwalk:

am: 02.09.2023 um 14 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde
Treffpunkt: S-Bahn Station Holstenstraße
Erkennungsmerkmal: A4F-Fahne

Erforderliche sind: Internetfähiges Smartphone & Kopfhörer

Oder erlebe die Widersprüche des Holsten-Areal nur für dich...

Aktionsart: SoundWalk

Aktionsdauer: ca. 30 Minuten

Aktionsausrüstung: Kopfhörer

Die Aktion: 

Unser Leben ist geprägt von Widersprüchen. Kein Mensch kann sich diesen entziehen. An Orten wie dem Holsten-Areal werden diese Widersprüche häufig in reinster Form und fast aufdringlich sichtbar.

Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Die Landesregierung verspricht dieser Not mit Neubau nachzukommen. Dafür verbrauchen wir knappe Ressourcen, reißen geschichtsträchtige Gebäude ab und erzeugen große Mengen an CO2-Emissionen. Diesen Widersprüchen müssen wir gesellschaftlich mit einem ehrlichen Diskurs begegnen. Für diesen ist es wichtig sich zunächst mit den eigenen Widersprüchen, die gedanklich zu diesem Thema bestehen, auseinander zu setzen.

Wir laden dich ein diesen inneren Dialog geleitet durch unsere Audiotour mit dir zu führen. 

Zur Teilnahme an der Aktion: 

1. Gehe zum Holsten-Areal – vergiss nicht dir Kopfhörer für den SoundWalk mitzunehmen 

2. Starte den SoundWalk mit dem unten stehenden Soundcloud-Link, umrunde das Holsten-Areal mit Start an der Holstenstraße wie hier gezeigt: 

3. Achte auf Wiedersprüche die dir während des Rundgangs auffallen 

4. Halte diese fest – mache ein Foto, Video, eine Soundaufnahme oder vertextliche die Wiedersprüche die dir auffallen 

5. Mit deiner Einreichung trägst du einen Teil zur Ausstellung am Ende des Architektursommers bei 

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Infos

Baujahr:
1870er / umfassende Erneuerung zwischen 1911-1913′

Standort: 
Altona, Holstenstraße / Harkortstraße / Haubachstraße

Nutzung: 
Bis 2019: Brauereigelände
Geplant: Wohnquartier 

Architekturbüro: 
Eisenbeton-Bauwerke: Ernst Mautner (Oberingenieur der Düsseldorfer Baufirma Dücker & Co.) und Anton Landgräber (Architekt und Bauingenieur) [1] 

Tragwerk:
Malzsilo, Juliusturm und Sudhaus: Eisenbetonskelettbauten
 

Schwankhalle (denkmalgeschützt): frühe Eisenbetonkonstruktion [1] 

Materialien: 
Eisenbeton, Klinker 

Das Holsten-Areal wurde von 1879 bis 2019 von der Holsten Brauerei industriell genutzt. In diesem Zeitraum entstanden verschiedene Gebäude für Produktions-, Lager- und Verwaltungszwecke. Zwischen 1911 und 1913 wurde das Areal umfassend saniert und mit der Schwankhalle und den drei Turmbauten, Malzsilo, Juliusturm und Sudhaus mit Holsten-Ritter, ergänzt (siehe Übersichtsplan). Diese vier Gebäude sind frühe Beispiele des Eisenbetonbaus, der Vorläufer des heutigen Stahlbetonbaus. Besonders die 9,30 m auskragenden Vordach-Träger der Schwankhalle waren für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich. [1, 2, 3] 

Im Jahr 2016 wurde das Holsten-Areal von der Carlsberg-Brauerei (damalige Eigentümerin) für 150 Millionen Euro verkauft. Zwischenzeitlich wurde das Gelände jedoch vielfach weiterverkauft – zuletzt für mehr als 300 Millionen Euro [4]. Mit sogenannten Share Deals, der Übernahme eines Unternehmens durch den Erwerb von Unternehmensanteilen, wurde nicht nur kontinuierlich der Grundstückspreis in die Höhe getrieben, sondern es konnte beim Kauf des Grundstückes auch die Grunderwerbssteuer und das Vorkaufsrecht der Stadt umgangen werden. Der Hamburger Senat steht in der Kritik, dass er das Gelände 2016 nicht gekauft, sondern es der freien Marktwirtschaft überlassen und damit die eingetretenen Bodenspekulationen in Kauf genommen hat. Hinzu kommt, dass es Hinweise auf wirtschaftliche Schwierigkeiten der derzeitigen Eigentümerin Adler Group gibt, weshalb die Stadt einen Finanzierungsnachweis als Voraussetzung für die Erstellung des Bebauungsplans gefordert hat. [5] Dieser liegt, Stand April 2023, weiterhin nicht vor, weshalb lediglich die Abbrucharbeiten ihren Lauf nehmen und Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung des Quartiers aufkommen.  

Den Entwurf von André Poitiers Architekt Stadtplaner RIBA und arbos Freiraumplanung GmbH & Co. KG zur Umsetzung des Quartiers hat die Stadt schon 2018 in einem Wettbewerbsverfahren mit dem 1. Preis gekürt. Damit sollen die Vorgaben des städtebaulichen Vertrags umgesetzt werden: 1.200 Wohnungen (ca. 1/3 geförderter Mietwohnraum mit Mietpreis- und Belegungsbindung von 30 Jahren, 1/3 frei finanzierter Wohnraum, 1/3 Eigentum), ca. 170 Wohnungen für Baugemeinschaften und 3 Kitas für min. 30 Jahre. Der Entwurf zeichnet sich durch die Erweiterung der Parkanlage aus der Mitte Altona und den Erhalt der historischen Bausubstanz der Holsten-Brauerei aus. Die Neubauten sollen in unterschiedlich genutzten Freiräumen integriert werden. [6, 7] 

Aufgrund der Bodenpreissteigerung befürchten Bürgerinitiativen wie […] knallt am dollsten!, dass nicht nur im Holsten-Areal, sondern auch in den umliegenden Quartieren Gentrifizierungseffekte auftreten und das Aus eines sozialverträglichen Wohngebiets bevorsteht. Sie fordern deshalb von der Stadt das Areal zu kaufen und in einem partizipativen Planungsprozess bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. [8] 

„Die Verhandlungen mit der Consus [redaktionelle Anmerkung: derzeitige   Eigentümerin, zugehörig zur Adler Group] liegen auf Eis. […] Wir haben deutlich gemacht, dass wir von der offensichtlich finanziell angeschlagenen Consus eine Finanzierungszusage einer Bank über das Gesamtprojekt Holsten-Quartier benötigen, ansonsten werden wir kein Baurecht [redaktionelle Anmerkung: Voraussetzung für den Baubeginn] schaffen. Wir haben dazu auch keine Frist gesetzt, sondern warten ab.“ – Altonas Bezirksamtschefin Stefanie von Berg im Hamburger Abendblatt, Mai 2022 [9] 

 

 „Dass der aktuelle Investor dieses für Hamburg wichtige Projekt umzusetzen in der Lage ist, muss bezweifelt werden“ – Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) im Hamburger Abendblatt, Mai 2022 [10] 

 

 „Hoffnung können wir daraus – mit Verlaub – nicht schöpfen, wenn nur Investor D durch Investor E ersetzt würde. Hoffnung würde ein völlig neues Bebauungskonzept auf Basis einer Kommunalsierung des Geländes voraussetzen.“ – Initiative […] knallt am dollsten! 30.11.22 auf twitter 

Die Schwankhalle wurde vom Denkmalamt zunächst irrtümlicherweise der Nachkriegszeit zugeordnet und deshalb als nicht schützenswert eingestuft. Erst ein Artikel in der bauwelt über das Gebäude als Beispiel für frühe Hamburger Eisenbauten hat eine öffentliche Diskussion ausgelöst, sodass die Entscheidung des Denkmalamtes noch einmal überprüft und anschließend revidiert wurde. [1] 

[1] https://www.denkmalverein.de/gerettet/holsten-schwankhalle
zuletzt abgerufen am 24.02.2023, Denkmalverein Hamburg 

[2] https://www.holsten-pilsener.de/hamburger-wurzeln/
zuletzt abgerufen am 05.03.2023 

[3] https://www.bauwelt.de/themen/betrifft/Bedroht-Hamburgs-fruehe-Betonbauten-Holsten-Brauerei-Abriss-Investoren-3189999.html

https://www.bauwelt.de/themen/betrifft/Bedroht-Hamburgs-fruehe-Betonbauten-Holsten-Brauerei-Abriss-Investoren-3189999.html
zuletzt abgerufen am 24.02.2023, aus Bauwelt 14.2018, Sven Bardua  

[4] https://www.abendblatt.de/hamburg/article235260855/holsten-quartier-areal-altona-hamburg-will-kaufen- investor-bauprojekt-preis.html
zuletzt abgerufen am 01.04.2023  

[5] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Zweifel-an-Investor-Bezirk-stoppt-Planungen-fuer-Holsten-Areal,holstenquartier134.html
zuletzt abgerufen am 01.04.2023 

[6] https://www.dbz.de/news/dbz_Wettbewerb_zum_Holsten_Areal_in_Hamburg_entschieden_Der_zweiphasige-2876232.html
zuletzt abgerufen am 01.04.2023 

[7] https://www.hamburg.de/altona/planungen-verfahren-holsten/15445164/staedtebaulicher-vertrag-holstenareal/
zuletzt abgerufen am 03.03.2023 

[8] https://www.knallt-am-dollsten.de/das-treibt-uns-an/
zuletzt abgerufen am 05.03.2023 

[9] https://www.abendblatt.de/hamburg/article235398189/holsten-quartier-altona-investor-verhandlungen-neue-wohnungen-bezirksamtsleiterin-von-berg.html
zuletzt abgerufen am 06.04.2023 

[10] https://www.abendblatt.de/hamburg/article237238137/holsten-areal-hamburg-altona-baut-am-ende-doch-der-umstrittene-investor.html
zuletzt abgerufen am 06.04.2023 

 

Abbildung: © steg Hamburg; https://www.hamburg.de/altona/planungen-verfahren-holsten/14880276/abbruchplanung/
Beschriftung ergänzt durch die Autoren

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